Braunes Pferd mit Reiter in nachhaltiger Reitmode
© Hannah Bang

Warum eine faire Produktion?

Für uns war von Anfang an klar: wir möchten eine faire Produktion unserer Reitbekleidung gewährleisten. Dieses Ziel stand noch vor der Idee selbst.

Lange galt „Ökomode“ als genauso unsexy, wie es klingt. Viele hatten das Bild von Kartoffelsäcken als Bekleidung vor Augen, Stoffe aus grobem, kratzigem Material und Farben, die man als 50 Shades of Brown bezeichnen kann. Nicht nur deswegen war ökologisch produzierte Kleidung lange nur ein Nischen-Thema.

Mittlerweile gibt es ein größeres Maß an Bewusstsein für die schlechten Arbeitsumstände in der Textilindustrie. Das mag an der Vielfalt von Dokumentationen und Büchern liegen oder an den zahlreichen Labels, die unter dem Aspekt der Fair Fashion gegründet wurden. Nachhaltige Bekleidung und faire Arbeitsbedingungen sind kein Nischen-Thema mehr, sondern in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Doch was ist das genau?

Was ist Fast Fashion? Wie ist der Zustand der Bekleidungsindustrie?

In den letzten Jahrzehnten ist die Fast Fashion der Standard in der Bekleidungsindustrie geworden und ist es leider nach wie vor.
Der Begriff „Fast Fashion“ lässt sich ziemlich wörtlich übersetzen in „schnelle Mode“. Dahinter verbirgt sich ein ganzes System, welches sich in den letzten Jahren immer wieder selbst überholt.
Kurz gefasst bedeutet Fast Fashion: Kleidung wird billig und schnell hergestellt und verkauft, damit Kunden schneller neue nachkaufen.

Es ist ein System, in welchem Design, Produktion und Marketing von Kleidung nur ein einziges Ziel haben: schnell und billig Trends zu (re-)produzieren und diese den Kunden vorzusetzen, damit so viel wie möglich verkauft wird.
Dadurch, dass es immer die neueste Mode zu kaufen gibt, welche die Stars und Sternchen gestern noch auf einer Gala  getragen haben, soll in den Konsumenten der Drang erweckt werden, genau diese Bekleidungsstücke selbst tragen zu wollen.
Manchmal ist die Kleidung so markant oder so offensichtlich einem bestimmten Stil verschrieben, dass man sie nach einer Saison nicht mehr tragen „kann“. Dann brauchen die Kunden ein neues, modernes und zeitgemäßes Kleidungsstück.
Da alles so billig verfügbar ist, tut es eben niemandem weh, noch den zehnten Pullover zu kaufen.

Arbeitsumstände

Die mangelnde Qualität und schlechte Verarbeitung sind dabei nur die Spitze des Eisbergs. Die, die der Konsument tatsächlich sieht. Wovon man jedoch wenig mitbekommt, ist, unter welchen Umständen die Kleidung hergestellt wird. Die meisten ArbeiterInnen haben keinen Arbeitsvertrag, keine festen Arbeitszeiten, geschweige denn Urlaubs- oder Krankengeld. Viele arbeiten unter prekären Arbeitsbedingungen. Und das, um sich selbst und seine Familie zu versorgen.

Die Lieferketten sind oft undurchsichtig. Meist weil das Arbeitspensum (ausgelöst durch große Bestellungen und kurzfristigen Lieferfristen) nicht von dem beauftragten Unternehmen alleine bewältigt werden kann. Dann werden Subunternehmen beauftragt. Das können andere Unternehmen sein, es können aber auch die Eltern, die Tochter oder die Nachbarin sein, die eine Nähmaschine zu Hause stehen haben und sich abends oder in der Nacht noch etwas dazuverdienen müssen, damit sie überleben können.

So ziehen sich Druck und Überlebensängste durch die gesamte Lieferkette. Keine der auftraggebenden Unternehmen möchte verantwortlich sein oder sieht sich in der Lage an der Situation etwas zu ändern.

Warum werden Aufträge so kurzfristig vergeben?

Aufträge werden sehr kurzfristig an Unternehmen vergeben, da die Trends nie lange anhalten.
Längst ist es üblich, dass in wenigen Wochen eine neue Kollektion entsteht. Sind sie fertig designt muss die Kleidung am besten gestern schon produziert werden.
Früher war es normal, dass es zwei bis vier Kollektionen pro Jahr gibt: Herbst/Winter und Frühjahr/Sommer.
Bei H&M, Zara und Co. Sind es zwischen 12 und 24 Kollektionen. Das sind bis zu zwei Kollektionen im Monat, die den Kunden präsentiert werden.

Die Gründe, warum Unternehmen auf schnelle Mode setzen, sind denkbar einfach: Umsatzsteigerung, Kundenbindung und Expansion! In Kombination mit sehr günstiger Herstellung der Ware in Ländern wie Bangladesch – teilweise unter schlimmsten Arbeitsbedingungen – ist das ganze Konzept auf die extreme Gewinnmaximierung ausgelegt. Der Endverbraucher kauft aufgrund der stets neuen Auswahl und niedriger Preise mehr, als eigentlich nötig ist. Mode wird zur mehrmals jährlich austauschbaren Ware.”

https://nachhaltige-kleidung.de/news/fast-fashion-definition-ursachen-statistiken-folgen-und-loesungsansaetze/

Fair Fashion

Das Gegenstück zu Fast Fashion ist die Slow oder Fair Fashion. Manche sprechen außerdem von „ecological Fashion“ „Fair Trade Fashion“ o.a. Auch hier ist die Definition denkbar einfach: weniger Kollektionen anbieten, bei welchen auf das Design und die Produktionskette geachtet.

Das Besondere am Design von Fair Fashion ist, dass möglichst zeitlose Mode entworfen wird, die keinen Trends folgen. Kleiderstücke, die auch nach Jahren noch „modern“ sind und sich mit anderer zeitloser Bekleidung kombinieren lassen.
Auf die Produktionskette wird hier deswegen geachtet, um zu gewährleisten, dass niemand unter prekären Arbeitsbedingungen seinen Lohn verdienen muss. Das gilt von der Erstellung der Designs und dem späteren Marketing genauso wir für die tatsächliche Arbeit am Produkt. Sei es die Herstellung der Garne, der Stoffe, der Knöpfe oder das Nähen der Kleiderstücke.

Wie definieren sich „fair“ oder „nachhaltig“?

Die Begrifflichkeiten rund um faire und nachhaltige Mode sind nicht genauer definiert oder festgesetzt.
Jeder definiert „fair“ und „nachhaltig“ anders oder setzt unterschiedliche Schwerpunkte.
Hier können wir unsere Priorisierung darstellen, die natürlich keine Allgemeingültigkeit besitzt. Wir finden es sogar wichtig, dass jeder einen anderen Schwerpunkt setzt und andere Themen bearbeitet.
Da die Nachhaltigkeit so ein großes und umfassendes Thema ist, kann niemand ihr in der Gänze gerecht werden.

Die unterschiedlichen Themen sind unserer Meinung nach:

  • Soziale Verantwortung:
    darunter fallen faire Arbeitsbedingungen (fester Arbeitsvertrag, mit geregelten Arbeits- und Urlaubszeiten, feste Vergütung, Sonderleistungen, keine Kinderarbeit, keine gesundheitlichen Schäden durch die Arbeit, etc.)
  • Umweltschutz:
    darunter fallen die Vermeidung von Plastikmüll, Einsatz von umweltschonenden Stoffen, wenig CO2 Ausstoß durch kurze Lieferwege oder Kompensation, Wasserschutz oder Aufforstung

Wie haben wir unser Vorhaben konkret umgesetzt?

Für uns war von Anfang an klar, dass wir unter fairen Arbeitsbedingungen produzieren möchten. Das ist unser Schwerpunkt, den wir uns nach langer Recherche gesetzt haben.
Daher war ebenfalls sehr schnell klar, dass wir ausschließlich mit Zulieferern aus Europa arbeiten möchten. So haben wir sehr kurze Liefer- und Kommunikationswege.
Nach langer Suche sind wir in Portugal fündig geworden. Es ist gar nicht so einfach eine Näherei zu finden, die auch Reitmode herstellt. 😉
Wir hatten direkt ein gutes Gefühl und nach vielen Gesprächen war klar: Das wird unsere Näherei.
Es ist ein kleiner Familienbetrieb, der seit vielen Jahren am Markt ist. Sie legen Wert auf Qualität anstelle von Quantität und haben gemeinsam mit uns an unseren Produkten gearbeitet.

Dort lassen wir alle unsere Bekleidungsstücke produzieren.
Da die Näherei allerdings nicht die entsprechenden Geräte hat, um unsere Schabracke herzustellen, mussten wir weitersuchen.
Fündig geworden sind wir bei einer sehr kompetenten Näherei in Polen, die sich auf Produkte für Pferde spezialisiert hat. Wir waren sofort überzeugt und konnten mit den Mitarbeitern unsere Produkte genau nach unseren Vorstellungen gestalten.

In Kombination mit unserer Stoffauswahl können wir dir auf unsere Weise nachhaltige Reitbekleidung präsentieren, hinter der wir zu 100 % stehen.
Natürlich geben wir uns nicht zufrieden mit dem Status Quo und wollen mit jeder weiteren Kollektion die Produktion noch nachhaltiger gestalten. Seid also gespannt.

Quellen

www.merriam-webster.com/dictionary/fast%20fashion
www.nachhaltige-kleidung.de/news/fast-fashion-definition-ursachen-statistiken-folgen-und-loesungsansaetze/
www.saubere-kleidung.de/mode-menschenrechte/
www.mckinsey.com/business-functions/sustainability/our-insights/style-thats-sustainable-a-new-fast-fashion-formula
www.nachhaltigkeit.info/artikel/fairtrade_mode_2000.htm
www.fairekleidung.com/
www.lifeverde.de/nachhaltig-leben/nachhaltige-mode/Was-ist-Fair-Trade-Kleidung-und-wie-wird-sie-hergestellt
Dhanaraj, P. Prince (2001) „Impact of Trade Unions, Employment and Technology on Wages: A Study of the Cotton Textile Mills in Madurai District”. In: Economic and Political Weekly. Vol. 36, No. 52, pp. 4846-4850.
De Neve, Geert, Luetchford, Peter & Pratt, Jeffrey (2008) “Introduction: Revealing the Hidden Hands Of Global Market Exchange”. In: Hidden Hands in the Market. Pp. 1-30.